Die Lebenswelt der Kinder im Primar- bzw. Grundschulalter (4 bis 12 Jahre) ist im Grunde mit dem Dorf oder Stadtquartier identisch, in dem sie zuhause sind. In dieser „Welt“ bestreiten sie ihren Alltag und pflegen ihre sozialen Netzwerke – dazu zählen Schulkameraden, Freunde, Peers aus Freizeitangeboten sowie Nachbarn. Schritt für Schritt handeln und bewegen sich die Kinder und Jugendlichen in dieser Welt zunehmend selbstständig und eigenverantwortlich. So verabreden sie sich etwa ab einem bestimmten Alter ohne elterliches Zutun mit Freunden auf dem Spielplatz oder dem Pausenhof, erledigen Einkäufe im Quartierladen oder nutzen einmal wöchentlich den Linienbus, um zum Musikunterricht zu gelangen.
Sie lernen, sich in dieser Welt zu orientieren, und knüpfen Bezüge zur Natur (z. B. Wald, Stadtpark, Dorfbach) sowie zum gesellschaftlichen Leben (Gemeindehaus, Turnhalle, Kirche, Werkhof, Quartierverein usw.). Diese „Welt“ ist von Natur aus ein tägliches Lern- und Entwicklungsfeld für Heranwachsende, das stetig neue Herausforderungen bereithält. Im Sinne der Kompetenzorientierung liegt es nahe, dass Lerngelegenheiten mit Lebensweltbezug ein enormes Potenzial für schulisches Lernen bieten. Noch wird diese Welt von Schulen allerdings sehr spärlich genutzt, obwohl sie oft entscheidend dafür ist, ob Gelerntes nachhaltig verankert bleibt.
«Um Gelerntes nachhaltig verfügbar zu machen, ist es unbedingt nötig, dass es mit bestehendem Wissen und Erfahrungen verknüpft und im Alltag angewendet wird. Die beste Chance haben Informationen, mit denen wir in unserem Alltag immer wieder ‘etwas anfangen’ können. Je besser es Lehrpersonen gelingt, die Lerninhalte auf die Lebenswelt der Lernenden abzustimmen, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese immer wieder erinnert und nachhaltig gespeichert werden.» (Joller-Graf, Lienhard-Tuggener, Mettauer Szaday, 2015)
Lerngegenstände und Lernorte aus der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen erfüllen die drei Grundkriterien für anforderungsreiche Situationen, die kompetenzförderndes Lernen – also das Zusammenspiel von Wissen, Können und Wollen – ermöglichen: Sie sind relevant, herausfordernd und attraktiv. (Joller-Graf, 2019)